Personalräte: Selbstverständnis, Arbeitsweise, Strategien

Personalräte sind als Träger betrieblicher Mitbestimmung verbreitet und gelten weithin als akzeptiert. Über ihre arbeitspolitischen Orientierungen, Verhandlungsstrategien, internen Entscheidungsprozesse sowie die Kommunikation mit den Beschäftigten ist jedoch wenig bekannt. Es soll untersucht werden, wie Personalräte arbeiten und wo Chancen und Grenzen der Vertretungsarbeit liegen.

Personalräte sind die wichtigsten Träger der betrieblichen Mitbestimmung im öffentlichen Sektor, jedoch kaum untersucht. Da der öffentliche Dienst einem Spar- und Restrukturierungsdruck ausgesetzt war, dürften sich die Rahmenbedingungen und die Arbeitsweise von Personalräten merklich verändert haben. Nach Verwaltungsreformen und Jahren rigider Austeritätspolitik sowie sich vollziehender Digitalisierung ist es eine offene Frage, wie Personalräte heute Arbeitnehmerinteressen vertreten und die Beteiligung der Beschäftigten gewährleisten können. Gerade in Zeiten, in denen Interessenkonflikte und gesellschaftliche Divergenzen auch von vielen Beschäftigten nicht primär als vertikale soziale Konflikte, sondern als Identitäts- und Partikularinteressen von Bevölkerungsgruppen verstanden werden, kommt einer örtlich präsenten und für jeden Beschäftigten erreichbaren Form der Interessenvertretung höchste gesellschaftspolitische Bedeutung zu.

Gefragt werden soll, wie Personalräte arbeiten und welche Faktoren darauf welchen Einfluss haben. Von Interesse ist, in welchen Konstellationen und Kontexten sich Personalräten welche Handlungschancen eröffnen bzw. welche Umstände Interessenvertretung erschweren und wo Unterstützungs- und Reformbedarf besteht. Das Projekt will Personalratsarbeit allerdings bewusst nicht nur durch die Brille spezifischer Sachprobleme betrachten, sondern den Akteur Personalrat und dessen Mitglieder selbst in den Mittelpunkt rücken. Es interessiert sowohl, mit welchen Themen sich Personalräte beschäftigen, wie sie diese bearbeiten und Beschäftigteninteressen vertreten, als auch, wie sie ihre eigene Arbeit intern organisieren und kommunizieren. Personalräte sollen keine black box bleiben. Über eine Deskription hinaus sollen Wirkungsmechanismen herausgearbeitet und eine Typologie der Personalratsarbeit erstellt werden.

Das Projekt untersucht die Arbeit von Personalvertretungen auf kommunaler Ebene und setzt dabei auf einen mixed methods approach: erstens die qualitative Untersuchung von 28 Personalräten in 12 Kommunen (ca. 68 betriebliche Experteninterviews und Gruppendiskussionen vorwiegend mit Personalräten, aber auch mit Arbeitgebervertretern) und 10 ergänzende Interviews mit externen Experten, zweitens eine Online-Befragung von Personalräten in allen Landkreisen sowie Gemeinden ab 10.000 Einwohnern.
Über die wissenschaftliche Beschreibung und Analyse hinaus sollen zudem good practice-Konstellationen ermittelt und Ansätze zur praktischen, politischen und gesellschaftlichen Unterstützung der Personalratsarbeit herausgearbeitet werden. Neben den unmittelbaren Projektzielen möchte die Untersuchung auch dazu beitragen, das Forschungsfeld Arbeitsbeziehungen des öffentlichen Sektors sachlich und personell in Deutschland nachhaltig zu etablieren.

Laufzeit: 01.12.2019 – 30.04.2022

Projektleitung:
Dr. Werner Schmidt

Projektförderung:
Hans-Böckler-Stiftung